Schulbuchsammlung und Schulbibliotheken

Johannes-Guthmann-Schulbuchsammlung

Die Historische Schulbuchsammlung bildet zusammen mit der vom Schulmuseum Nürnberg betreuten Schulmaterialiensammlung die Schulgeschichtliche Sammlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Als zentrale Dokumentationsstelle für die historische Entwicklung von Schule und Unterricht im süddeutschen Raum vom 18. bis zum 21. Jahrhundert stellt die Schulgeschichtliche Sammlung eine wichtige Anlaufstelle für die Wissenschaft, universitäre Lehre und pädagogische Arbeit dar.

Die Historische Schulbuchsammlung wurde von Honorarprofessor Dr. Johannes Guthmann (1892–1976) begründet und ging 1952 an den Pädagogikprofessor Max Liedtke über. Mit Mitteln des Liedtke-Lehrstuhls, des Landes Bayern, der FAU und des Universitätsbunds Erlangen-Nürnberg e.V. wurde die Schulbuchsammlung in den Folgejahren konsequent erweitert. Bereits Ende der 1970er Jahre konnte sie sich neben der Bibliothek Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung (heute: Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut) in Braunschweig und der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF; heute: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) in Berlin als dritte große öffentliche Einrichtung dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland etablieren.

Die Historische Schulbuchsammlung umfasst über 32.000 teilweise aus Privatbesitz gespendete Bücher. Ihr Bestand dokumentiert die Schulbuchentwicklung wie auch die Entwicklung von Fachdidaktiken ab dem 18. Jahrhundert. Die Sammlung ist systematisch nach Epochen und Schulfächern aufgestellt und kann nach Anmeldung in der Erziehungswissenschaftlichen Zweigbibliothek (EZB) in Nürnberg eingesehen werden.

Schulbibliotheken in der Universitätsbibliothek

Schon innerhalb der frühen Klosterbibliotheken gab es abgegrenzte Bestände „Libri scolares“ für Schüler und Lehrende. Im 16. Jahrhundert forderten die Reformatoren die Gründung von Schulen und damit auch von Schulbibliotheken. Enthalten waren Bibelausgaben, Bibelkommentare in Hebräisch, Griechisch, Lateinisch, die lateinischen und griechischen Klassiker sowie Titel zur Geschichte und Geographie. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Schulbibliotheken, die zunächst an den Bedürfnissen von Lehrern und Schülern orientiert waren, zu Arbeitsbibliotheken für Lehrer.
Vor 1850 erschienene Bücher in den historischen Schulbibliotheken wurden seit 1962 in einem Beschluss des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus in die Obhut der wissenschaftlichen Bibliotheken übergeben. Aus Platzmangel an den Gymnasien wurden einige mittelfränkische Schulbibliotheken an die Universitätsbibliothek abgegeben und als geschlossener Bestand im Magazin aufgestellt.

1877 wurde die städtische Landwirtschafts- und Gewerbeschule in eine königlich-bayerische Realschule für Knaben umgewandelt. Bis 1929 wurde diese zur Oberrealschule ausgebaut und erhielt 1939 den Namen des Physikers Georg Simon Ohm. Die Bibliothek ist vollständig im Katalog erschlossen und als Einheit aufgestellt.

Vor dem 19. Jahrhundert war Lehrer ein Nebenberuf unter Aufsicht der Ortsgeistlichen. Erst 1809 entschloss sich das Königreich Bayern zu einer staatlich organisierten Lehrerbildung. Ein Seminar wurde in Nürnberg gegründet, das 1824 in das leer stehende Kollegienhaus der aufgelösten Universität Altdorf verlegt wurde. In Altdorf wurden bis 1924 der protestantische Lehrernachwuchs für ganz Bayern ausgebildet. Die Bibliothek wurde an die Lehrerinnenbildungsanstalt in Erlangen abgegeben, die als Vorläuferin des Christian-Ernst-Gymnasiums Erlangen anzusehen ist. In den 1990er Jahren übernahm die Universitätsbibliothek die historische Bibliothek.

Bereits 1720 bestand an der Ritterakademie, dem Vorläufer des von Markgraf Friedrich von Bayreuth 1745 gegründeten Gymnasium Fridericianum, eine Studienbibliothek. Überlieferte Zeugnisse über eine Bibliothek am Gymnasium finden sich vermehrt jedoch erst ab 1790. Die Bibliothek sollte bedürftigen Schülern leihweise Literatur zur Verfügung stellen, inhaltlich bestand sie hauptsächlich aus lateinischen und griechischen Lehrbüchern und Klassikerausgaben. Die historische Bibliothek ist 2009 abgegeben worden und vollständig im Katalog nachgewiesen.

Die „Königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule“ in Fürth wurde 1833 gegründet und 1849 zur „Königlichen Gewerbe- und Handelsschule“ erhoben. 1920 wurde die Realschule zur Oberrealschule erweitert, damit waren die Absolventen zum Universitätsstudium zugelassen. Seit 1966 trägt die Schule den Namen „Hardenberg-Gymnasium“. Zu den berühmtesten Schülern zählen der Schöpfer des Wirtschaftswunders Dr. Ludwig Erhard, die Unternehmer Dr. Gustav Schickedanz und Dr. Otto Seeling sowie der Dichter Jakob Wassermann. Der Bestand der Bibliothek ist im Katalog erfasst.

1567 wurde von Markgraf Georg Friedrich von Ansbach-Bayreuth eine lateinische Schule eingerichtet, die zur Hochfürstlichen Stadtschule erhoben wurde, sodass sich die Studierenden nach ihrem Abschluss an einer Universität einschreiben konnten. Am 13. April 1772 verlieh Markgraf Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth der Schule als Zeichen seines Wohlwollens den Namen „Friderico-Alexandrina“. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein Neubau errichtet, der die Angliederung eines Realkurses an die Lateinschule ermöglichte. Die Werke, die vor 1850 erschienen sind, wurden 1962 an die Universitätsbibliothek abgegeben und sind vollständig im Katalog erfasst.